„Munitionsvernichtung“ – Bildunterschrift der Fotografin, ca. 1992 (Foto Susanne Müller)
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Altlasten und Umweltverschmutzung
Nicht nur Kriege, sondern bereits deren Vorbereitung bzw. die Kriegsbereitschaft sorgen für immense Umweltverschmutzung. Der Umgang mit den Altlasten auf den Truppenübungsgeländen und Kasernen wurde zum großen politischen Streitpunkt, der für mediale Aufmerksamkeit sorgte. Da die Sowjetunion finanzielle Entschädigungen für die hinterlassene Infrastruktur und die Liegenschaften verlangte, kam im Jahr 1990 die Idee auf, diese mit den Kosten für die Entsorgung der Altlasten zu verrechnen. Das führte jedoch dazu, dass die sowjetischen Truppen in den ersten zwei Jahren versuchten, die Altlasten zu verstecken bzw. unsachgerecht zu entsorgen, indem sie zum Beispiel Chemikalien einfach wegschütteten oder andere militärische Abfälle vergruben. Letztendlich wurde im Dezember 1992 die sogenannte Nullvariante verabschiedet, also eine pauschale Verrechnung von Altlasten gegen Infrastruktur.
Zerstörte Landschaft in der Nähe von Wohnhäusern, ca. 1992 (Foto Susanne Müller)
Eine große Herausforderung der Konversion stellt der Umgang mit den bis heute mit Kampfmitteln und verschiedenen Schadstoffen kontaminierten Böden und Gewässern dar. Diese Altlasten sollten von der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG) erfasst werden. Die IABG, eine auf Sicherheit, Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt spezialisierte Firma aus München, lokalisierte in Brandenburg Altlasten auf 942 Liegenschaften.
Hinweis auf die Belastung mit Kampfmitteln in der Kyritz-Ruppiner Heide, 2025 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
Anhand einer sogenannten Giftliste wurde festgelegt, dass die besonders verseuchten Flächen weiterhin beim Bund verblieben. Dazu zählten in Brandenburg 17 Liegenschaften verteilt auf 765 Hektar. Die anderen Flächen wurden im Rahmen eines Abkommens zwischen Bund und Land 1994 von Brandenburg übernommen. Obwohl für die Altlasten per Gesetz immer der Grundstücksbesitzer verantwortlich ist, unterstützte der Bund die Länder bei der Sanierung der Flächen. Bis zum Jahr 2020 wurden in Brandenburg 310.000 Tonnen Abfälle entsorgt, 200.000 Tonnen Boden saniert, 2,3 Millionen Liter Kerosin und 15 Tonnen Lösungsmittel entfernt.
Eine Übersichtskarte mit den ehemaligen Militärflächen im Landkreis Teltow-Fläming, 2025 (Kreisverwaltung Teltow-Fläming)
Trotz der bisherigen Leistungen bei der Reinigung der Flächen wird die Altlastenproblematik das Land noch in den nächsten Jahrzehnten begleiten. Bis heute erinnern vor allem die Waldbrände immer wieder neu an das militärische Erbe in Brandenburg, die aufgrund der im Boden befindlichen Munition teilweise nur aus der Luft gelöscht werden können. Aber auch bei jedem Bauprojekt auf dem Areal der ehemaligen militärischen Standorte muss das Gelände vorab immer auf Altlasten untersucht werden. Da die meisten dieser Orte schon seit preußischer Zeit militärisch genutzt wurden, sind die Gefahren durch Altlasten nicht nur auf die sowjetische Zeit zurückzuführen.
Die Grundwasserreinigungsanlage im „Neuen Lager“ in Jüterbog, die den Boden von giftigem Trichlorethen reinigt, 2020 (Foto Matthias Winter-Pelliccioni)
Manche Orte, wie zum Beispiel Jüterbog, sind besonders von der massiven Umweltverschmutzung durch die frühere militärische Nutzung betroffen. In dem zu Jüterbog gehörenden „Neuen Lager“ befanden sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Wäscherei und eine Imprägnier-Stelle für Uniformen, die mehrfach erweitert wurden. Seit 2004 steht dort eine Grundwasserreinigungsanlage, die schon zweimal erweitert wurde und das Grundwasser von giftigem Trichlorethen reinigt. Bis Juni 2020 wurden 43,6 Tonnen des Mittels herausgefiltert. Die Verseuchung von nur zwei Kilometer entfernten Trinkwasserquellen konnte somit verhindert werden. Das Projekt wurde von Andreas Isenberg betreut, der zwischen 1995 und 2021 bei der Brandenburgischen Bodengesellschaft arbeitete und für die Altlasten zuständig war.
Text: Małgorzata Popiołek-Roßkamp und Irmgard Zündorf
Andreas Isenberg
Geograf und verantwortlich für den Umgang mit militärischen Altlasten im Umweltamt des Landkreises Teltow-Fläming. Nach 1995 bei der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG) für die Erkundung, Sanierung und Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit militärischen Abfällen und Altlasten zuständig.
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Interviewführung: Małgorzata Popiołek-Roßkamp, Schnitt: Maximilian Gärtner und Zoe Schodder