Demonstration von Anhängern der Friedensbewegung mit einem „Schwerter zu Pflugscharen“ Transparent vor der Gedächtniskirche in West-Berlin anlässlich des Besuchs von US-Präsident Ronald Reagan und des NATO-Gipfels, 11. Juni 1982 (Bundesregierung / Foto Klaus Lehnart).
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Proteste und Bürger-Engagement
Die „Schwerter zu Pflugscharen“-Skulptur von Jewgeni Wutschetitsch schenkte die Sowjetunion 1959 als Friedenszeichen den Vereinten Nationen. Sie steht bis heute vor dem Hauptsitz der UN in New York, 1996 (Bundesregierung / Foto Bernd Kühler)
Protestierender vor einer NVA-Kaserne in Erfurt, 29. Oktober 1989 (Bundesarchiv, Bild183-1990-1029-014 / Foto Ralf Hirschberger)
„Schwerter zu Pflugscharen“ lautete das Motto der inoffiziellen Friedensbewegung in der DDR. Ihre Mitglieder waren meist aktiv innerhalb der Strukturen der evangelischen und katholischen Kirche. Sie forderten, genauso wie viele Menschen in Westdeutschland, die Schaffung des Friedens durch Abrüstung und die Vernichtung von Atomwaffen. Das Tragen des Abzeichens mit dem zu einem Pflug umgeschmiedeten Schwert, das das Zitat aus der Bibel illustriert, wurde in der DDR verboten, als das Politbüro seine politische Sprengkraft erkannte. Paradoxerweise wurde das Symbol von der von Jewgeni Wutschetitsch geschaffenen Skulptur inspiriert, die die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen geschenkt hatte und die bis heute vor dem Hauptsitz der UNO in New York steht. Der Bildhauer hat auch das sowjetische Ehrenmal im Berliner Treptower Park entworfen, das den gefallenen Soldaten gedenkt und gleichzeitig ein Friedhof ist. Das Zeichen gelangte auf die Titelseite der „Leitlinien für Konversion“ des Landes Brandenburg von 1992, denn deren Autoren stammten aus der Friedensbewegung.
Demonstration von Anhängern der Friedensbewegung mit einem „Schwerter zu Pflugscharen“-Transparent vor der Gedächtniskirche in West-Berlin anlässlich des Besuchs von US-Präsident Ronald Reagan und des NATO-Gipfels, 11. Juni 1982 (Bundesregierung / Foto Klaus Lehnart)
Demonstration von Anhängern der Friedensbewegung mit einem „Schwerter zu Pflugscharen“-Transparent vor der Gedächtniskirche in West-Berlin anlässlich des Besuchs von US-Präsident Ronald Reagan und des NATO-Gipfels, 11. Juni 1982 (Bundesregierung / Foto Klaus Lehnart)
Demonstration der westdeutschen Friedensbewegung unter dem Motto „Den ersten Schritt tun – Atomraketen verschrotten“ auf der Bonner Hofgartenwiese, 13. Juli 1987 (Bundesregierung / Foto Burkhard Jüttner)
Demonstration der westdeutschen Friedensbewegung unter dem Motto „Den ersten Schritt tun – Atomraketen verschrotten“ auf der Bonner Hofgartenwiese, 13. Juli 1987 (Bundesregierung / Foto Burkhard Jüttner)
Der Hauptverantwortliche für den Abzug und die Konversion in Brandenburg war der bereits erwähnte Helmut Domke. Er war synodales Mitglied der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR, Astrophysiker und engagierter Atomwaffen-Gegner. Im Jahr 1990 arbeitete er zunächst einige Monate als Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR unter Markus Meckel, den er über die mobilen Friedensseminare in Mecklenburg-Vorpommern in den 1980er Jahren kennengelernt hatte. Anschließend wurde er Bevollmächtigter für Abzug und Konversion beim brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe. Seinen dortigen Stab leitete Roland Vogt, der später als Referatsleiter für Konversion im Wirtschaftsministerium Brandenburg arbeitete. Vogt, ursprünglich aus Rheinland-Pfalz, war Jurist und Politikwissenschaftler und engagierte sich schon früh gegen Atomkraftwerke. In den 1980er Jahren war er Bundestagsabgeordneter, gewählt über die ersten Listen der Grünen, und wurde Mitglied des Verteidigungsausschusses, zuständig für Rüstungskonversions-Themen. Er brachte die rechtliche Expertise, aber auch den Willen zur Abrüstung mit in sein Amt in Brandenburg. Trotz politischer Funktionen nahm er an Protesten gegen den Luft-Boden-Schießplatz in Wittstock teil, auch Bombodrom genannt. Der Platz war einer der wenigen ehemaligen sowjetischen Standorte, der von der Bundeswehr in der ursprünglichen Funktion weiter genutzt werden sollte.
Ein Plakat mit dem Aufruf zu internationalen Protesten gegen das „Bombodrom“ in Kyritz-Ruppiner Heide 2003. (Archiv der Friedensscheune e.V. in Zempow)
Die Pläne zur militärischen Nutzung des „Bombodroms“ stießen jedoch auf massiven Widerstand der Bevölkerung, die sich in verschiedenen Bürgerinitiativen zusammenschloss, wovon die „Freie Heide“ am bekanntesten war. Sie veranstalteten unter anderem regelmäßig Protestwanderungen, wie sich Ulrike Laubenthal erinnert. Sie leitet heute das Protestarchiv in der Friedensscheune in Zempow und bietet gewaltfreie Trainings zum zivilen Ungehorsam an. Die Proteste in und um Wittstock wurden durch die Anwohnerschaft, Zivilgesellschaft, Naturschutzorganisationen und Politik aus Ost und West unterstützt und führten 2009 zur Aufgabe des Standortes durch die Bundeswehr.
Roland Vogt bei einer Führung durch die Kyritz-Ruppiner Heide, unten rechts sind militärische Altlasten sichtbar, 28. September 2009 (Foto Ulrike Laubenthal)
Da das Gelände ursprünglich durch die Bundeswehr übernommen worden war und aufgrund der Verseuchung durch militärische Altlasten keinen anderen Interessenten findet, ist der Bund weiterhin Eigentümer. Seit 2011 wird es durch die gemeinnützige Heinz Sielmann Stiftung verwaltet, die sich dem Naturschutz verpflichtet hat. Teile des Areals werden touristisch erschlossen.
Text: Małgorzata Popiołek-Roßkamp und Irmgard Zündorf
Ulrike Laubenthal
Trainerin für gewaltfreies Handeln, politische Aktivistin und Vorsitzende des Friedensscheune e. V. Beteiligt bei den Protesten gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen und gegen die geplante Weiternutzung des sowjetischen Bodenschießplatzes in Kyritz-Ruppiner-Heide durch die Bundeswehr.
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Interviewführung: Małgorzata Popiołek-Roßkamp, Schnitt: Maximilian Gärtner und Zoe Schodder