Der Truppenübungsplatz Döberitzer Heide, 1990 (Foto Jörg Fürstenow)
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Naturschutz und Renaturierung
Heinz Sielmann hatte bereits 1988 in seinem Film „Tiere im Schatten der Grenze“ auf die Naturräume aufmerksam gemacht, die sich entlang der innerdeutschen Grenze entwickelten. Auch die Truppenübungsplätze boten besondere Bedingungen für die Entwicklung der Natur. Jahrzehnte, manche sogar Jahrhunderte lang, waren sie von der forstwirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Nutzung ausgeschlossen. Dadurch bildeten sie eine große Ausnahme im dicht besiedelten Mitteleuropa. Die Landschaft wurde durch militärische Aktivitäten beansprucht, die Spuren hinterließen, es gab Munitionsreste, Zerstörungen durch Kettenfahrzeuge oder auch Brände. Charakteristisch für Standorte der sowjetischen Truppen war außerdem, dass es kaum Infrastruktur gab: keine festen Biwakplätze oder Routen und keine befestigten Straßen. Die Flächennutzung erfolgte also nicht planmäßig, was sich besonders vorteilhaft für die Natur auswirkte.
Auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen entwickeln sich bis heute wertvolle Biotope mit seltenen Pflanzen und Tierarten. Die Landschaften reichen von Sandgebieten in Wittstock und Neuruppin, Binnendünen in Jüterbog, Heidehof und Lieberose bis hin zu Seen und Mooren in Tangersdorf. Auf den Naturwert der Truppenübungsplätze wiesen schon im September 1989 Hans-Peter Gensichen, Leiter des Kirchlichen Forschungsheimes Wittenberg, und der Marburger Ordinarius für Ökologie Hermann Remmert hin. Sie forderten in einem offenen Brief an die Regierungen der Bundesrepublik und DDR, die nicht von Bundeswehr und Nationaler Volksarmee benötigten Truppenübungsplätze in Naturschutzgebiete umzuwandeln. Während die westdeutsche Seite den Vorschlag ablehnte, kam es im Februar 1990 zur Aufgabe des 3300 Hektar umfassenden NVA-Übungsplatzes Hohenleipisch, der anschließend zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.
Grafik des ehemaligen Truppenübungsplatzes Döberitzer Heide. Eingezeichnet sind die Kernzone, in der große pflanzenfressende Tiere wie Wisente, Przewalski-Pferde und Rothirsche angesiedelt wurden, die Naturerlebnisringzone sowie der aktiv genutzte Standortübungsplatz der Bundeswehr, 2023 (SielmannStiftung - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=149126289)
Die Döberitzer Heide war der älteste Truppenübungsplatz in Brandenburg. Er wurde seit dem 18. Jahrhundert militärisch genutzt. Jörg Fürstenow konnte das Gelände bereits 1989 mit einer Gruppe von Naturschutzaktivisten betreten und Tiere sowie Pflanzen dokumentieren. Nach der Räumung des Geländes durch die sowjetischen Streitkräfte 1991 begannen die ersten Naturschutzmaßnahmen, gefördert seit 1993 durch das EU-Programm KONVER. Im Jahr 1997 wurde die Döberitzer Heide als Naturschutzgebiet ausgewiesen und 2004 von der Heinz Sielmann Stiftung gekauft.
Ein Wisent in der Döberitzer Heide, 2019 (Von A. Savin - Eigenes Werk, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81686648)
Naturschutz und Renaturierung werden aus Sicht von Politik und Planung ungern als Konversionsmaßnahmen gezählt, da sich diese eigentlich nur auf Flächen beziehen sollten, die von Menschen genutzt werden. Letztendlich zählen dazu aber auch die renaturierten Flächen, denn diese dienen häufig touristischen Zwecken. Naturschutz als primäre Konversionsstrategie gewann erst in der Zeit der wirtschaftlichen Stagnation auf dem Grundstücksmarkt in der zweiten Hälfe der 1990er Jahre an Bedeutung.
Weg durch die Kyritz-Ruppiner Heide, 2025 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
Naturschutzgebiet Döberitzer Heide, 2024 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
Dabei wurden zwei Ansätze verfolgt: erstens „Rewilding“ durch die Einführung großer Huftiere, wie Wisente, Rothirsche oder Przewalski-Pferde, und die gezielte Erhaltung der Heidelandschaften, wie in der Döberitzer Heide, oder zweitens, die natürliche Sukzession, die sich vor allem durch wenig menschliche Eingriffe auszeichnet. Die Altlasten mussten in diesem Fall nur von den Gehwegen entfernt werden, was relativ kostengünstig war und zudem auf den restlichen Flächen bis heute einen Schutz vor unbefugtem Betreten bietet.
Text: Małgorzata Popiołek-Roßkamp und Irmgard Zündorf
Jörg Fürstenow
Landschaftsökologe und Mitarbeiter der Heinz Sielmann Stiftung. Ende der 1980er Jahre bei den Naturschutzhelfern in Potsdam engagiert. Derzeit für Landschaftspflegemanagement und ökologisches Monitoring auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Döberitzer Heide zuständig.
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Interviewführung: Małgorzata Popiołek-Roßkamp, Schnitt: Maximilian Gärtner und Zoe Schodder