Das feierliche Entfernen des Kontrollhäuschens am Checkpoint Charlie, dem Ort der Panzerkonfrontation vom 27. Oktober 1961 in der Mitte Berlins. Die materiellen Zeugnisse des Kalten Krieges sollten möglichst schnell aus dem Stadtraum verschwinden. Zu sehen sind von rechts nach links: letzter Bürgermeister von Ost-Berlin Tino Schwierzina, sowjetischer Außenminister Eduard Schewardnadse, Bundesminister des Auswärtigen Amtes Hans-Dietrich Genscher, Außenminister Frankreichs Roland Dumas, Außenminister der USA James Baker, letzter Kommandant des amerikanischen Sektors von Berlin Raymond Haddock, ehemaliger Bürgermeister West-Berlins und früherer Bundeskanzler Willy Brandt, amerikanischer Botschafter Vernon Walters, britischer Außenminister Douglas Hurd, Senatorin für Soziales und Gesundheit und Bürgermeisterin von West-Berlin Ingrid Stahmer und Minister für auswärtige Angelegenheiten der DDR Markus Meckel, 22. Juni 1990 (Bundesarchiv, Bild183-1990-0622-027 / Fotograf: Peer Grimm)
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Planung und Vernetzung
Innerhalb von knapp vier Jahren erhielt Brandenburg durch den Abzug der Truppen etwa 100.000 Hektar Fläche. Viele der Kasernengelände und Übungsplätze wurden schon von der preußischen und kaiserlichen Armee genutzt und konnten zum ersten Mail nach über hundert Jahren militärischer Sperrung wieder von Zivilisten betreten werden. Aufgrund der im Zwei-plus-Vier-Vertrag verankerten Begrenzung der Truppenstärke der Bundeswehr und dem Verbot der Stationierung von NATO-Truppen in Ostdeutschland sollten die meisten dieser Orte künftig zivilen Zwecken dienen. Ziel der Umnutzung war laut den „Brandenburger Leitlinien für Konversion“, dass sie „unumkehrbar“ gemacht werden sollte.
Aufräumarbeiten auf dem Kasernengelände in Jüterbog im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, 1994 (Foto Markus Hennen)
Zunächst fielen die ehemaligen sowjetischen Gebäude und Flächen an den Bund. Nach Prüfung des Eigenbedarfs, vor allem für die Bundeswehr, entschlossen sich die Länder Brandenburg, Sachsen und Thüringen, die Liegenschaften zu übernehmen. Größe, Anzahl und Lage der frei gewordenen Flächen konfrontierten Politik und Gesellschaft allerdings mit erheblichen Problemen, es ergaben sich jedoch zugleich Chancen für neue zivile Nutzungen.
Altlasten-Untersuchung in der Panzerkaserne von Neuruppin, 1994. Die Konversion in Neuruppin wurde aus den EU-Mitteln PERIFRA gefördert und als Modellprojekt vom Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, heute das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner, wissenschaftlich begleitet. Teile der Panzerkaserne wurden erfolgreich umgenutzt, sodass u.a. ein Oberstufenzentrum und ein Technologiezentrum entstanden (IRS Erkner/Wiss. Samml., Bestand „IRS-Projekte/Konversion“, H 3)
Um die Verwertung der Liegenschaften im Auftrag des Landes kümmerte sich die Brandenburgische Boden Gesellschaft. Während die zentral oder am Stadtrand situierten Kasernenanlagen von öffentlichen oder privaten Investoren schnell übernommen wurden, waren die solitär gelegenen großen Flug- und Truppenübungsplätze nur schwer zu vermitteln. Brandenburg war in den 1990er Jahren, wie die anderen östlichen Bundesländer auch, von den wirtschaftlichen Folgen der Transformation und den damit verbundenen demografischen Schrumpfungsprozessen gekennzeichnet.
Auf der Konversionsfläche Bornstedter Feld fand 2001 die Bundesgartenschau statt, heute steht hier die Biosphäre Potsdam, 2014 (Von A. Savin - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31064854)
Als der Bedarf an der Nutzung von Flächen stagnierte, wurde 1997 das Konversionsnetzwerk FOKUS im Land Brandenburg gegründet, das seitdem die besonders betroffenen Kommunen vernetzt sowie Bildungs-, Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit leistet. Im Rahmen der jährlich stattfindenden „Konversionssommer“ werden Führungen für das interessierte Publikum durch ehemalige militärische Standorte angeboten. Außerdem organisiert das Netzwerk diverse Fachveranstaltungen, bei denen aktuelle Herausforderungen diskutiert werden. Derzeit sind bei der FOKUS-„Familie“, wie sich ihre Mitglieder bezeichnen, über 20 Akteure – Städte, Gemeinden und Stiftungen – vertreten.
Die Auftaktveranstaltung des Konversionssommers 2022 organisiert durch das Konversionsnetzwerk FOKUS im Haus der Offiziere in Wünsdorf, 2022 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
Zu den realisierten zivilen Umnutzungen, unterstützt aus EU-, Bundes- und Landesmitteln, gehörte vor allem der Umbau von Kasernen zu Wohnungen. Darüber hinaus dienten die früheren militärischen Liegenschaften der Unterbringung von Behörden, Hochschulen und Gewerbeeinrichtungen. Teilweise errichteten Investoren auf den Geländen aber auch Freizeitparks oder Solarparks. Andere Orte wiederum wurden entsiegelt und renaturiert, um dort anschließend Naturschutzgebiete zu etablieren. Bis heute wurden über 90 Prozent der früheren sowjetischen Liegenschaften veräußert und umgenutzt, die restlichen Orte verwandelten sich in touristisch gerne besuchte „lost places“.
Ein saniertes Kasernengebäude in Jüterbog II aus der Kaiserzeit mit einem abgeschlagenen Hakenkreuz. Das Gebäude wurde von den sowjetischen Streitkräften genutzt und ist heute ein Wohnhaus, 2023 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
Text: Małgorzata Popiołek-Roßkamp und Irmgard Zündorf
Markus Hennen
Diplom-Volkswirt und ehemaliger Geschäftsführer des Büros für Planung, Beratung und Sanierung der Bruckbauer & Hennen GmbH in Jüterbog, spezialisiert auf Altstadtsanierung und Konversion; außerdem Mitbegründer des Forums für Konversion und Stadtentwicklung (FOKUS) und Koordinator der Veranstaltungsreihe „Konversionssommer“.
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Interviewführung: Małgorzata Popiołek-Roßkamp, Schnitt: Maximilian Gärtner und Zoe Schodder