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Susanne Müller beim Fotografieren in der ehemaligen höheren Fliegertechnischen Schule in Niedergörsdorf, 1993 (Foto Markus Hennen)

Sowjetische Panzer geschmückt für den Abzug, ca. 1992 (Foto Susanne Müller)

Die militärische Präsenz der sowjetischen Truppen war in der DDR deutlich zu spüren: die durch Panzerketten zerstörten Wege, beschädigte Brücken, gesperrte Straßen, die Umweltverschmutzung, zu hörende Schüsse, Explosionen und nächtliche Flüge.

In der Propagandasprache der DDR wurden die sowjetischen Streitkräfte als „Freunde“ bezeichnet, wobei keineswegs eine echte Freundschaft zwischen den Menschen in der DDR und den sowjetischen Soldaten erwünscht war, sondern nur ritualisierte Kontakte bei offiziellen Veranstaltungen. Informelle Begegnungen kamen insbesondere mit Offizieren zustande, die im Gegensatz zu den Soldaten mehr Freiheiten genossen. Zudem wurden die Streitkräfte bei der Ernte oder bei Naturkatastrophen als Helfer eingesetzt. Der Blick der Menschen in der DDR auf die sowjetischen Truppen schwankte zwischen Angst, Indifferenz, Sympathie und Mitgefühl, insbesondere für die jungen Soldaten, die der „Dedowschtschina“ (Herrschaft der Älteren) ausgeliefert waren.

Sowjetische Soldaten zerlegen die Autos, um einzelne Teile in ihre Heimatländer mitzunehmen, ca. 1992 (Foto Susanne Müller)

Ein einheitliches Bild der deutsch-sowjetischen Nachbarschaft ist schwer zu zeichnen, denn seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Abzug der Truppen waren mehrere Millionen Menschen aus der Sowjetunion in der DDR stationiert. Etwa 550.000 Angehörige des Militärs sowie Zivilangestellte waren jeweils gleichzeitig in der DDR stationiert, die Hälfte davon im heutigen Brandenburg. Die Zivilbevölkerung der DDR durfte die für sie gesperrten Kasernen erst ab 1990 bis zum Ende des Abzugs 1994 am jeweiligen „Tag der offenen Tür“ betreten. Vielerorts entwickelte sich in dieser Zeit bei den Menschen in Ostdeutschland ein Gefühl der Verbundenheit im Schicksal mit den abziehenden Soldaten: Auch sie waren Teil des vermeintlichen Ostens gewesen – nun hatten beide Länder, die DDR und die Sowjetunion, aufgehört zu existieren.

„Neue Zeiten“ – Bildunterschrift der Fotografin, ca. 1992 (Foto Susanne Müller)

Impressionen einer verschlossenen Welt

Die Fotografin Susanne Müller war damals fasziniert von den Menschen in der verschlossenen Welt, die sich gerade zu öffnen begann. Dafür fuhr sie in die Kasernen, vermied gestellte Fotos und versuchte, die Ästhetik der militärisch geprägten Landschaften und die Stimmung vor Ort in ihren Bildern einzufangen.

Vorbereitung des Abzugs, ca. 1992 (Foto Susanne Müller)

Für die Brandenburger Staatskanzlei hielt sie den Alltag der Truppen vor ihrem Abzug fest. Der Auftrag endete nach einem sexuellen Übergriff, wofür der Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurde. Der deutsche Rechtsstaat reichte auch Anfang der 1990er Jahre noch nicht bis in die Kasernen. Dies wurde besonders deutlich beim gescheiterten Versuch, Erich Honecker im sowjetischen Militärkrankenhaus in Beelitz-Heilstätten im Dezember 1990 zu verhaften. Auch dies gehört zur Abzugsgeschichte.

Text: Małgorzata Popiołek-Roßkamp und Irmgard Zündorf