Sowjetischer Friedhof in der Innenstadt von Jüterbog, 2022 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
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Denkmalpflege und Erinnerung
Nicht nur in Form von Altlasten sind die sowjetischen Spuren in Brandenburg omnipräsent. Die ersten materiellen Zeugnisse der sowjetischen Anwesenheit in Deutschland bildeten die zahlreichen Friedhöfe für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten, die direkt nach Kriegsende angelegt wurden, oder Grabstellen für die später in der DDR verstorbenen sowjetischen Angehörigen des Militärs und ihre Familien. Die Anlagen variieren in ihrer Größe und Lage. Oft umfassen sie Elemente der kommemorativen Mahnmalarchitektur, Reliefs mit figurativen Darstellungen oder ausgemusterte Panzer. Im Projekt zu den sowjetischen Kriegsgräberstätten in Deutschland des Museums Berlin-Karlshorst wurden über 300 solcher Anlagen in Brandenburg gezählt. Eine besondere Form der Friedhöfe sind die großflächigen Mahnmale in Berlin (Tiergarten, Treptow, Schönholzer Heide) sowie in der heutigen Gedenkstätte Seelower Höhen.
Die Pflicht zum Erhalt und zur Pflege der sowjetischen Friedhöfe und Mahnmale wurde im Zwei-plus-Vier-Vertrag verankert. Sie werden bis heute vielfach als Denkmale der Befreiung (vom Faschismus) bezeichnet. Ursprünglich sollten sie nicht allein als Begräbnisstätte und Mahnung gegen den Krieg dienen. Vielmehr besetz(t)en sie mit ihren eindeutigen politischen Zeichen wie dem roten Stern, Hammer und Sichel den Raum symbolisch und faktisch. Zu DDR-Zeiten dienten sie als Orte der ritualisierten Erinnerung an die sowjetischen Opfer und als Zeichen des politischen Machtanspruchs. Ihr totalitärer und imperialer Charakter wurde dennoch auch nach 1990 kaum öffentlich diskutiert.
Ein Blumenbeet mit dem roten Stern vor dem Schloss Cecilienhof in Potsdam (Von Jean-Pierre Dalbéra from Paris, France - La cour intérieure du château de Cecilienhof, Potsdam, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24673508)
Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine fallen die sowjetischen Symbole wieder deutlich auf. Besonders wahrgenommen wurde der mit Blumen gepflanzte rote Stern vor dem Schloss Cecilienhof in Potsdam, der zum Anlass der Potsdamer Konferenz 1945 angelegt worden war und bis heute gepflegt wird. Der Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, von der die Anlage verwaltet wird, kommentierte das Festhalten an dem roten Stern: Die Sowjetunion des Jahres 1945 dürfe nicht mit der Russischen Föderation des Jahres 2022 verwechselt werden. Außerdem sei das Blumenbeet Teil der Denkmalanlage.
Das Haus der Offiziere in Wünsdorf mit dem Übergang zum Diorama-Neubau aus den 1970er Jahren. Die Anlage steht unter Denkmalschutz findet aber keinen Investor und verfällt allmählich. Das Diorama „Die Schlacht um den Reichstag“ von Vinamin Sibirsky nahmen die abziehenden Truppen mit, 2022 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
In Brandenburg konnten die sowjetischen Streitkräfte auf die umfangreiche militärische Infrastruktur des deutschen Kaiserreiches und der NS-Zeit zurückgreifen. Da sie meistens die alten deutschen Kasernen für ihre neuen Standorte übernommen hatten, „übersah“ die staatliche Denkmalpflege lange die sowjetische Zeitschicht der Objekte.
Roter Stern am Eingangstor zur ehemals geschlossenen sowjetischen Siedlung Jüterbog II, 2022 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
Mosaik mit einem Soldaten am Flugplatz Schönwalde-Glien. Die Anlage hat aktuell keine Nutzung, 2024 (Foto Leia Bourichter)
Wie der Landeskonservator Thomas Drachenberg sich erinnerte, fielen zuerst insbesondere den eher jüngeren und den Kollegen aus dem Westen die sowjetischen Bauelemente auf. Neben den Erweiterungen der bestehenden Kasernenanlagen und der zweckmäßigen militärischen Infrastrukturen gehört dazu das künstlerische Bildprogramm in und an den Gebäuden selbst. Die meisten militärischen Objekte stehen aufgrund ihrer früheren Entstehungsgeschichte auf der Denkmalliste.
Das Stadtmuseum von Jüterbog mit dem Ausstellungsteil zur jüngsten Geschichte Jüterbogs, 2022 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
Die Dauerausstellung des privaten Museums Roter Stern in Wünsdorf mit dem 3D-Bild vom ursprünglich im Haus der Offiziere ausgestellten Diorama, 2024 (Foto Małgorzata Popiołek-Roßkamp)
Text: Małgorzata Popiołek-Roßkamp und Irmgard Zündorf
Thomas Drachenberg
Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Landeskonservator und stellvertretender Direktor des Brandenburgischen Landesamtes und des Archäologischen Museums. Nach 1989 als Denkmalpfleger auch für den Kreis Teltow-Fläming zuständig, in dem 17 Prozent der Flächen militärisch genutzt wurden.
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Interviewführung: Małgorzata Popiołek-Roßkamp, Schnitt: Maximilian Gärtner und Zoe Schodder